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April 2012
- Wie kann Wirtschaft organisiert werden, wenn sie für alle funktioneren soll? Und mit "alle" meine ich nicht alle Weißen. Während ihr in unserer Lektüreliste ein paar Bücher findet, die sich mit Alternativen zum bestehenden Wirtschaftssystem beschäftigen, hier der Verweis auf einen Artikel zum Thema Kybernetik. Welche Rolle können kybernetische Modelle in einem gerechten, dezentralisierten Wirtschaftssystem spielen? Der Artikel bezieht sich auf ein Experiment, daß Allende in Chile durchgeführt hat und dort anscheinend erfolgreich anlief ... bis die Amis ihre chilenischen Freunde los- und den demokratisch gewählten Präsidenten wegbomben ließen.
Auch in einer netteren Welt werden wir auf nicht auf globalen Handel verzichten können, oder anders: sofern wir Gefallen am Fliegen finden, werden wir Wirtschaft groß denken müssen. Wirtschaflich gesehen gibt es dann kein Rousseausches "Zurück zur Natur". Dann benötigen wir aber Hilfsmittel, die es uns im menschlichen Bereich ermöglichen, unsere innere Natur zur Entfaltung zu bringen. Alles, was uns Arbeit abnimmt, hat somit eine Chance verdient.
- Ein sehr interessantes Gedankenexperiment findet ihr auf der Seite 5-Stunden-Woche. In dem PDF, das auf der Seite heruntergeladen werden kann, rechnet der Autor und Macher der Seite, der den schönen Namen Darwin Dante trägt, nach, daß jeder von uns nicht allzu viel arbeiten müßte, ließen wir viele sinnlose Tätigkeitsfelder wie z.B. Werbung weg. Und wir hätten trotzdem alle zu beißen und ein Dach über dem Kopf. Wie gesagt: ein interessantes Gedankenexperiment.
- Und erneut mußten Mäuse für ein lustiges Experiment ihre kleine Näschen hinhalten. Aber das Ergebnis der Studie, daß Freundschaft wichtiger als Rausch ist, stützt die These meines Nachbarn, daß Drogis nur aus der realen Welt fliehen wollen, weil diese menschlich so kalt ist. Wer weiß, wer weiß ...
- Vom 20.-22.04.2012 findet an der TU-Berlin der nächste McPlanet-Kongress statt. Thematisch findet sich das ganze Spektrum: von schnöden Innovationen in der Landwirtschaft über Gemeingüter- und Politikdiskussion bis zu einfachen Fragen eines anderen Lebensstils. Ein guter Überblick über die derzeitig wichtigsten Fragen im Bereich alternativer Ideen ist garantiert.
- Weil Geld so etwas Tolles ist und so etwas toll Zentrales in unserer Welt, werden landauf, landab ein Haufen Versuche mit Geld und menschlichen Laborratten durchgeführt. Besonders beliebt sind spieltheoretische Spiele mit Geld. Da der Geiz im Menschen von diesen Forschungen bisher sehr gut dokumentiert worden ist, hier mal zwei Artikel zum seligen Geben und zum gerechten Verteilen. Selbstverständlich sind das nur Ausnahmen bzw. wissenschaftlich ungenaue Erhebungen.
- Daß man niemandem trauen soll, haben uns schon unsere Eltern mit auf dem Weg gegeben. Verbrecher und Hallodries finden sich in jedem Milieu und jeder sozialen Schicht. Und daß bei Geld die Freundschaft aufhört, führte im Bankwesen zur Einführung des unpersönlichen 0815-Lächelns. Also eigentlich nichts Neues, wenn jetzt immer öfter herausgefunden wird, daß Geld den Charakter versaut und negative Auswirkungen auf soziale Interaktionen hat. Das hat natürlich auch positive Seiten, wenn man sich den Zusammenhang von Kapitalismus, Schulden und Macht verdeutlicht. Ein Schuft, wer annimmt, daß hier im Kleinen wie im Großen System dahinterstehen könnte. Denn Geld ist natürlich total wichtig, um unser Zusammenleben zu organisieren. Wie sollte es denn ohne gehen? Und ab und an müssen da eben Kröten geschluckt werden.
März 2012
- Der Pierre hatte es einfach drauf. Hier ein kleiner Text, der einem Band mit Vorlesungen entnommen ist. In "Eine Vorlesung über den Staat und die Zerstörung der Vielfalt"
beschreibt Bourdieu den Kern des Entindividualisierungsprozesses durch den Staat. Das wichtigste Instrument des Staates hierbei: Zentralisierung. Auf allen Ebenen.
- Ein weiterer Kampfplatz, wenn dies martialische Wort auf dieser Seite gestattet ist - Privateigentum vs. Gemeineigentum. Der Widerstand gegen das Gemeineigentum, vor allem gegen die Veräußerung von Land an den Pleb, zu dessen freien Verfügung, ist verständlich, denn Landbesitz ist die begrenzte Ressource schlechthin. Hast du Land, hast du Macht (naja, auf jeden Fall deine eigenen Kartoffeln). Hast du kein Land, mußt du für jeden Sch... bezahlen.
Zum Thema Gemeingüter noch ein kleiner Text von Elinor Ostrom, die für ihre Gemeingütertheorie 2009 den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat.
- Apropo Film. "Empire me" von Paul Poet stellt auch Projekte vor, aber ... er lohnt sich anzuschauen, aufgrund der dahinter stehenden Idee, einen eigenen Staat zu gründen (was mittlerweile nicht mehr so einfach ist, dank Sealand). Aber man hat leider das Gefühl, daß der technisch gut gemachte Film hätte besser werden können, wenn nicht so viel Wert auf Attitüde und extravagante, skurile Geschichten gelegt worden wäre. So bekamen wir durch den Film von bestimmten Projekten wie dem ZEGG einen falschen Eindruck, der erst durch eigene Recherchen richtig gestellt werden konnte.
- Ein Hinweis auf den Dokumentarfilm "Ein neues Wir" des Österreichers Stefan Wolf, in dem 10 Ökodörfer und Lebensgemeinschaften vorgestellt werden. Der Film lohnt sich, auch wenn man nicht auf Jutebeutel steht. Sehr schön ist das Zitat von Buckminster Fuller am Anfang des Trailers. Und weil es so schön ist und weil es so wahr ist, sei es an dieser Stelle auch genannt:
"Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man neue Modelle, die das Alte überflüssig machen."
- Dieser Artikel über die Netzwerkforschung gibt einen netten Überblick über die Sozialphysik als leuchtenden Stern am Wissenschaftshimmel. Einiges Wissenswertes findet sich in den Zeilen. Interessant ist der letzte Satz und, sofern wir den den Satz gelten lassen, die dadurch aufgeworfene Frage: wie setzen wir es am besten zusammen?
- Diesen Artikel über das, was menschliche Masse genannt wird einmal zu eurer Information, damit ihr einen Eindruck davon bekommt, wie Gemeinschaft im kollektiven Bewußtsein nach wie vor verortet wird. Das Kollektiv ist dumm. Punkt.
Aber das Kollektiv muß auch dumm sein, wenn ihre einzelnen Teile seit Jahrzehnten zu Idioten und Egoisten erzogen werden. Dumme Individuen bilden kein schlaues Kollektiv. Wie sollte das gehen. Und schön auch der Schluß: herausragende Leuchttürme, also einzelne Individuen, also Einzeltäter sollen es richten. Der Rest rennt hinterher, man, man, man...aber es ist halt einfacher, alle zu Idioten zu erklären, als Rahmenbedingungen zu schaffen, indem sich die schlau gemachten Teile zu einem schlauen Kollektiv formen. Das Schöne an diesem Denken ist allerdings, daß es Demokratie entlarvt: die dumme Herde geht wählen, nichts verändert sich und der dummen Herde wird Demokratie noch als Errungenschaft verkauft.
PS: Was schlau ist, müßte noch geklärt werden. Hat vielleicht nichts mit Geld verdienen zu tun, aber das nur so als Vorschlag.
- Da wurde doch mal in einer amerikanischen Studie über das Foltern etwas Erstaunliches festgestellt: der soziale Kontext hat großen Anteil daran, daß Menschen "Böses" tun. Aber das ist natürlich Quatsch, weiß doch jeder gute Christ und Darwinist, daß wir im Kern, so ganz tief drinnen von Natur aus "böse" sind und das Foltern zu unseren ontologischen Hobbies gehört.
- Ein kleiner Artikel zu einer kleinen Studie, die zeigt, daß wir schon früh, sehr früh zum Guten tendieren, ganz von allein. Vielleicht stimmt das sogar.